Nora Brandenburg

Diplom-Tonmeisterin

Methoden zur Analyse freier Atonalität am Beispiel von Schönbergs George-Liedern op.15


Arnold Schönberg „Mit den Liedern nach George ist es mir zum ersten Mal gelungen, einem Ausdrucks- und Formideal nahezukommen, das mir seit Jahren vorschwebt. Es zu verwirklichen, gebrach es mir bis dahin an Kraft und Sicherheit. Nun ich aber diese Bahn endgültig betreten habe, bin ich mir bewusst, alle Schranken einer vergangenen Aesthetik durchbrochen zu haben; und wenn ich auch einem mir als sicher erscheinenden Ziel zustrebe, so fühle ich dennoch schon jetzt den Widerstand, den ich zu überwinden haben werde; fühle den Hitzegrad der Auflehnung, den selbst die geringsten Temperamente aufbringen werden, und ahne, dass selbst solche, die mir bisher geglaubt haben, die Notwendigkeit dieser Entwicklung nicht werden einsehen wollen.“

So schreibt Arnold Schönberg über seine 1909 entstandenen Fünfzehn Gedichte aus "Das Buch der Hängenden Gärten", die gemeinhin als sein erstes "atonal" komponiertes Werk gelten.
Mit der Aufgabe der Tonalität gipfelt eine Entwicklung, die im 19. Jahrhundert bereits begonnen hat: Es gibt keine verbindliche Kompositionslehre mehr und damit auch keine historisch legitimierte Analysemethode.
Da die frühe Atonalität (auch "freie Atonalität" genannt) einen musikhistorischen Umbruch markiert, befindet sie sich in der besonderen Situation, dass die tradierten theoretischen Systeme nicht mehr, neue (wie die Dodekaphonie) aber noch nicht gelten. Der Analytiker steht also ohne Werkzeug da.
Diese Arbeit sammelt verschiedene Analyseansätze und prüft, zu welchen Ergebnissen ihre Anwendung auf die frühe atonale Musik Schönbergs führt. Ausprobiert werden sowohl die tonalitätsbasierte Harmonielehre und zeitgenössische Harmonie- und Tonsatzlehren wie die Schönbergs und Hindemiths, als auch reihentechnische Denkweisen wie die George Perles und Allen Fortes.

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